Pakal – Auf den Spuren eines Blutherrschers | 19. Teil

valentino

Verlorene Lagune

Illustration: Valentino

Nachdem ich die Fähre von Puerto Barrios nach Livingston genommen hatte, charterte ich im Hafen ein Boot über den Río Dulce nach El Relleno. Mit dem Fahrrad erreichte ich am nächsten Morgen Toquelá, wo ich Tortillas, Frijoles und Spiegeleier frühstückte und mich mit schwarzem Kaffee wachhielt. Die Sonne ging rasch auf. Kurz hinter der Grenzstation Modesto Méndez gabelte sich der Weg. Ich nahm die asphaltierte Straße Richtung Flores, an deren Rändern ein Großteil des tropischen Waldes abgeholzt war.

Mittags rastete ich in San Luís. Ein Schild wies bald darauf auf das Ende des Asphalts hin. Fortan ging es auf einer staubigen Piste durch eine öde, fast menschenleere Landschaft. Kurz vor Canchacán überraschte mich ein Platzregen. Im Ort regnete es noch einmal, weshalb ich mich in einem Laden unterstellte. Als der Regen aufgehört hatte, fuhr ich mit dem Fahrrad über einige Steigungen und einer Abzweigung folgend bis zur Finca Ixobel. Tags darauf ging es mit dem Fahrrad bei Hitze und Staub über Poptún nach Flores – die letzten Kilometer auf der Ladefläche eines Pick-ups.

Unterwegs nach El Naranjo kam ich von der geplanten Route ab und gelangte an einen See, aus dem kahle Baumgerippe ragten. Feiner Sandstaub bedeckte die Blätter der Pflanzen am Wegesrand. Irgendwo hinter Sacpuy traf ich einen Mann auf einem Fahrrad. Er sagte, dass ich nicht auf dem Weg zur Finca San Joaquin sei, sondern nach Ojo de Agua. Allerdings würde ich auf diesem Weg Paso Caballos erreichen, von wo ich ein Boot nach El Naranjo chartern könnte. Also fuhr ich mit dem Fahrrad weiter und erreichte mittags die verlorene Lagune.

(c) valentino 2018

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Unterwegs im Lande des Vlad Țepeș | 18. Teil

valentino

In Moldawien

Illustration: Valentino

Beidseitig der Fahrbahn reihten sich perlenschnurartig entlang eines endlosen Bretterzauns bunte Häuser auf, vor denen ab und an Bänke standen. Zwischen Zaun und Straße breitete sich ein grasbewachsener Streifen aus, auf dem Einheimische Tomaten, Paprika und Melonen feilboten. Während einer Rast probierten wir kleine, mehlig schmeckende Trauben mit dicker Schale, welche in den Gärten und an den Häuserwänden rankten und die man zur Herstellung des moldawischen Weines verwendete.

An einer Tankstelle in Bacău standen Autos Schlange. Wir bogen auf eine Landstraße ab, die uns in das moldawische Hügelland hineinführte. Aufgrund der häufigen Steigungen schoben wir die Räder und erreichten vor Sonnenuntergang einen auf der Karte eingezeichneten See, an dessen Ufer Angler im Dämmerlicht Fische fingen. Alsbald ging die tiefstehende Sonne hinter den Hügeln am Seeufer unter. Bei Einbruch der Nacht schlugen wir das Zelt auf und die Rufe der Fischer begleiteten uns in den Schlaf.

In der sengenden Hitze des folgenden Tages erklommen wir Hügel um Hügel über staubige Straßen. Am späten Nachmittag holten wir mit Hilfe einer Kurbel kühles Wasser in einem Eimer aus einem zehn Meter tiefen Dorfbrunnen herauf, schütteten es über Haupt, Nacken und Schultern und ließen es an Armen und Beinen herabfließen. Wir zogen die nassen T-Shirts aus, wickelten sie uns gegenseitig um die Köpfe und füllten unsere Trinkflaschen. Nach der Weiterfahrt erreichten wir gegen Abend eine Stadt namens Tecuci.

(c) valentino 2013

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Unterwegs im Lande des Vlad Țepeș | Fünfter Teil

valentino

Landschaft bei Vârșolț

Illustration: Valentino

Nachdem wir eine weitere Nacht kurz hinter Șimleu Silvaniei im Zelt geschlafen hatten, brachte uns der folgende Tag einen kurzen Aufenthalt in einer Dorfkneipe und viele Staub und Diesel aufwirbelnde Lastwagen. In Vârșolț bogen wir rechts ab und erreichten nach einer kleinen Anhöhe einen See, den wir zuvor auf der Landkarte entdeckt hatten und in dem wir uns waschen wollten. Doch anstelle des ersehnten Badestrandes tauchte vor uns ein umzäuntes Fabrikgelände auf. An den Ufern des Sees donnerten schwere Laster über provisorische Pisten.

Am gegenüber liegenden Ufer jedoch sah der See zugänglich aus, darum fragten wir einen Lastwagenfahrer, ob es möglich sei, in dem See zu schwimmen. Auch mit Händen und Füßen waren die Verständigungsprobleme nicht zu lösen, bis ein kleiner Junge zu Hilfe kam. Trotz Hitze trug er Pullover und Jeans. Er machte uns klar, dass man am anderen Ufer des Sees durchaus schwimmen könne, der See aber nicht besonders sauber sei. Wir schoben die Räder vorbei an Beerensträuchern bis an den Rand des Ufers. Dahinter brach dieses steil ab. Morastiger Boden breitete sich auf einer weiten Ebene bis zum Wasser hin aus. Einige Vögel schwammen auf der Oberfläche des Sees.

Mein Begleiter stieg den Abhang hinab und watete durch den Schlick in Richtung Wasser. Er hatte es fast erreicht, da rief ihm der Junge vom Ufer aus zu, es sei verboten im See zu baden, außerdem gäbe es Wasserschlangen. Das hätte ihm sein Vorgesetzter gesagt. Ein Blick auf die Karte sagte uns, dass wir später an einem Flusslauf vorbeikommen würden, der sich womöglich besser zur Körperreinigung eignete. Wir fuhren zurück nach Vârșolț und auf der Hauptstraße weiter über Zalău in Richtung Jibou.

(c) valentino 2012

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