ich begleitete die Menschen (Blackout Poetry)

Blackout Poetry ich begleitete die Menschen

ich begleitete die Menschen / Foto: belmonte

Entstanden beim Autorenwochenende auf der Tromm, 2. bis 4. Dezember 2016.

(c) belmonte 2017

Klangkreation vom Autorenwochenende auf der Tromm

belmonte

Textmitschnitt aus Michaela Vogls Workshop „Klangkreationen“ beim Autorenwochenende auf der Tromm im Dezember 2016.

Raschelt da etwas im Unterholz?

Raschelt da etwas im Unterholz? / Foto: Michaela Vogl

streichen
kratzen
schaben
drücken
tippeln
im takt schlagen
kratzen
gischt
rollendes meer
geräuschkulisse
holz
im takt
elektronische musik
scherben an der wand
da klingen die glöckchen von der höhe und pupsen
pupsen
dass alle lachen müssen in diesem raum
schlagen im takt auf das holz
metallgescharre
uuuh
bibibi
uuuoooh
warum machen eigentlich alle diese geräusche
weil das ein spiel mit geräuschen ist
das tut weh
knistern und die ferne stimme
klicksen
glucksen
schnarchen
wir schnarchen
miau
hihihihihi
miez
alle klatschen
wie machst du das
pupsen und alle blätter zerreißen

(c) belmonte 2017

Von Ziegen, Schlangen und Tintenfischen – Bericht über den Linolschnitt-Workshop für Kinder

valentino

Die originellen, hervorragenden Ergebnisse des Workshops „Linolschnitt und -druck“ lassen das Herz höher schlagen. Sie sind es allemal wert, in diesem Beitrag gezeigt zu werden. Der Workshop fand am ersten Dezemberwochenende (2. bis 4.) im Rahmen des Autorentreffens auf der Tromm statt und richtete sich ursprünglich an Kinder – was jedoch einige Erwachsene nicht davon abhielt mitzumachen.

Präsentation der Ergebnisse

Präsentation der Ergebnisse / Foto: Fichte

Die Teilnehmer/innen gingen hoch motiviert und mit großem Tatendrang ans Werk. Die individuellen Herangehensweisen waren bemerkenswert. Dabei gingen die Kinder noch unverstellter, unbedarfter als die Erwachsenen vor: Da wird dann auch mal mit Filzstiften in den noch nassen Druck hinein gemalt – eine gute Idee.

An Material standen uns Linoleum, Bleistifte, Messer, Walzen, Farbe auf Wasserbasis und Papier zur Verfügung. Zunächst haben wir unsere Motive mit dem Bleistift auf den Druckstock übertragen. Natürlich braucht es etwas Geduld und ein gewisses handwerkliches Geschick, um die Konturen und die Formen in die glatte Oberfläche der Platte zu schneiden. Um das Linoleum weicher zu machen, legten wir es kurz auf die Heizung. Danach ließ es sich leichter gestalten.

Nach getaner Arbeit

Nach getaner Arbeit / Foto: Fichte

Schließlich haben wir mit den Walzen die Farbe aufgetragen und mit den eingefärbten Druckstöcken das Papier bedruckt. Es ist schön zu sehen, dass diese spannende Technik Kinder und Erwachsene begeistert. Vielleicht hat ja die eine oder der andere Lust bekommen, weiter mit dem Medium zu arbeiten oder in Zukunft die bisher erworbenen Kenntnisse aufzugreifen. Herzlichen Dank allen Mitwirkenden für die Inspiration!

(c) valentino 2016

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Autorenwochenende auf der Tromm: Bericht von Aufhockern, Meerjungfrauen und anderer Fabula

belmonte

trumma am zwoden bisz vierden december des jâres MMXVI

ankommena uf trumma
ze sammen fichta mit îra tohter
un steinichen unde îr man
un deolazarra
dera mit mordsmæren
weilat schun da
un baecker abholena vun scharubac schnelliu
wan steig auf trumma zu arebeitsam wesen wær
dar nâch speis zu vespera
als wan jaegeru mit îr driu kints nach uns stôszt
spæte kumt ouch augl durch nebula auf trumma an
und gibat uns pensum
scrîban uf creatio geriuschena
obene
wo hûs undern dach
un ispiratio anderiu
wan schabena un kratzin un klicksan
so manege vurz us bauchena
un marcello bästet ornat zu wihenaht
sprechan ouch lanc zît dar nâh bis nachtin tiefe

nahtena molliche warm
wann dar ûzen kallde frost
an morgening sîn velte ganz weisz vun rauha reip
us venesteru is harrelich schauwe
zu frühestuck kummena iederu vru oda spât
als manige kints warn angustlîh aus mina reda vun aufhockeru un hechsenreutige und schattewulf
daru nâch wirds swarze poesei
unds wirds viel schœniu stukelin davun

Augl auf der Tromm

Augl auf der Tromm / Foto: belmonte

spæte foremiddag kumt schilzge van furth
an gleichena zît tritt schmied uz mannem auf trummahûs in
wie deolazarra ouch sie in dera mordsmæren bewanderut
sie machat uns klar
was preparatio uf lectura bedurfenet
weru vun uns haettena dacht
dasz so mannicfach dinc wær furbereiten zuo lectura

mitter tac is rîch ezzen
wan steinichen un îr man verlâszan trumma
wer kunde wizzen wasz dahinteru stunt
un all anderiu was darum farlegena

eʒ was danne scribena uf musica epica
ein stunta schalliga us synphoney un schanzun d’amour vun krîc dera stellaru unde anderiu fantasîe un groene blaetteren
wan schilzge verlaszt den roume
wirds îr zu filiu schallige
un schmied vun dera mordsmæren fahrut vun trumma ze rucke nâh mannem
bevor demarunge unde frost un dunkelin s’abschnittena vun ouszenwerlde

Dämmerung im Trommwald

Dämmerung im Trommwald / Foto: belmonte

kints wan frô
mit în is arnsvalt
der schneidt und drückt mit în uf pappîr
unde was sie fertigan
is allerschœniu werckena

ër selbest hat eigena drucke uz hambujch bracht
werlt besta cunst wart enteckat

spæteru spacieren wir uf trumma hôh
als linsert mich anrufenat
wult sie vun gras-ellinebac abholt werdant
unde wars in finstarnes
gesagt gethan
unds vröude wars unde lebehaft un s’redat als wia flieszendes wazzer

nach vespera lesant wir uz eigane scripten
linserts schœniu werck vun îr groszeltiron
schilzge lieszt ouch vun deme was îr als war
was smerzat immer unde noch
mitreiszant îr eigen sprâcha
baeckerus vortrac is meiszelt an poetereis wettstreitena
wanns als umbewirffat
malincholisch indesz augls poesei

an morgena heiʒt deolazarra den holtzofan in küchîna un bakkat brotlein
wanns fruestuck rîch unde lang
dar nâch is fichtas fabula darauszen
gang nâch velsinmere
wo fata un schattinwulf unde merejuncfrauwe
ouch prinze is fundan
leider kumts nichmer zum fabulieran
zerück in trummahûs ezzan wir mittitac wias vuerstena thun
langa unde herzeclîch is adieu vun trumma
darauszena wehat kalder wint

(c) belmonte 2016

Vorbereitungen für das Autorenwochenende auf der Tromm

Hashtag #trommlit16

Unsere Vorbereitungen für das Autorenwochenende auf der Tromm vom 2. bis 4. Dezember nehmen Gestalt an.

Zur Zeit sind folgende Workshops geplant:

  • Klangkreationen
  • Vorbereitung auf eine Lesung
  • offene individuelle Räume
  • Schreiben zu epischer Musik
  • Märchenschreibworkshop
  • Blackout Poetry

Am Rande wird es einen Computer mit mehreren Tastaturen geben, auf denen jeder zu jeder Zeit spontan Texte, Ad-hoc-Lyrik, Gedanken, Anekdoten eintippen kann.

Trommhaus / Foto: Klaus Kirchner

Trommhaus / Foto: Klaus Kirchner

Auch für die Kinder wird mit eigenen Workshops und Aktivitäten gesorgt:

  • Linolschnitt und -druck
  • Stockbrot
  • Weihnachtssterne basteln
  • Kekse backen
  • Laternenspaziergang (wer Kinder hat, bitte Laternen mitbringen)

All dies ist natürlich kein fixes Programm. Wir können vor Ort je nach Lage der Dinge und Interessen umorganisieren.

Anreise ist am Freitag, den 2. Dezember, gegen 18 Uhr. Die Anreise mit dem Auto ist empfehlenswert. Parkplätze sind genügend vorhanden. Es ist auch möglich, mit der Regionalbahn von Weinheim bis Rimbach zu fahren und von dort 1,5 h zum Trommhaus zu wandern. Es geht allerdings zum Teil ordentlich bergauf, und es wird früh dunkel. Alternativ können wir die eine oder den anderen von Fürth (Endbahnhof der Regionalbahn von Weinheim) mit dem Auto abholen.

Adresse:

Trommhaus
Mooswiese 67
64689 Grasellenbach
Ortsteil Scharbach

Es wäre schön, wenn Ihr für das Abendessen am Freitag kalte Speisen mitbringt (Auflauf, Teigrollen, Lasagne, Zwiebelkuchen, Kartoffelsalat, Baguette oder was auch immer). Samstag und Sonntag kochen wir dann gemeinsam.

Denkt an warme Kleidung und festes Schuhwerk. Auch dicke Socken oder Hausschuhe für die Schlafräume sind zu empfehlen.

Es sind immer noch ein paar Plätze frei. Wer noch Interesse hat mitzukommen, melde sich bitte bei belmonte at vnicornis dot com.

Bis bald,
Claudia und belmonte
in Zusammenarbeit mit KAMINA, dem studentischen Dichterkreis Heidelberg

Weitere Informationen:

https://vnicornis.wordpress.com/2016/10/08/autorenwochenende-auf-der-tromm/

Autorenwochenende auf der Tromm

Autorenwochenende auf der Tromm

Hashtag #trommlit16

Wir haben mit der Vorbereitung unseres nächsten Autorenwochenendes begonnen und möchten Euch herzlich einladen, daran teilzunehmen und mitzuwirken.

Vom 2. bis 4. Dezember 2016 (Freitagnachmittag bis Sonntag) quartieren wir uns im Trommhaus im Odenwald ein.

Es wird eine Reihe von Workshops rund um das Schreiben geben. Jede/r kann sich diejenigen Workshops aussuchen, die für sie oder ihn am interessanten sind. Vorschläge sind jederzeit erwünscht.

Trommhaus

Trommhaus / Foto: valentino

Kinder sind wie immer herzlich willkommen. Damit es ihnen nicht langweilig wird, bereiten wir separate Workshops, Filmvorführungen und Spiele für drinnen und draußen vor.

Natürlich werden wir auch dieses Mal wieder gemeinsam kochen, draußen die Natur genießen, durch die Nacht wandern, Ideen und Erfahrungen austauschen und … schreiben.

Zur Organisation:

Das Wochenende ist ausdrücklich nicht-kommerzieller Natur. Kosten fallen allein für Anreise, Übernachtung und Verpflegung an.

Vorgesehen sind zwei Übernachtungen (10,50 Euro pro Person und Nacht, etwas preiswerter wird es in den sogenannten Bettenlagern unterm Dach). Bettwäsche kann mitgebracht werden, ansonsten fallen einmalig 7 Euro für die Ausleihe vor Ort an). Internetadresse mit Anfahrtsweg und alle weiteren Informationen zum Ort findet Ihr unter www.trommhaus.de.

Verpflegung kaufen wir vorab ein. Getränke werden von den Herbergseltern bezogen.

Da die Anzahl der Teilnehmer begrenzt ist, meldet Euch bitte frühzeitig an (belmonte at vnicornis dot com). Mit der Anmeldung bitten wir um eine Anzahlung von 10 Euro, damit wir besser planen können.

Wir freuen uns auch dieses Mal auf viele neue Gesichter und ein paar ebenso lyrische wie epische Workshop-Tage.

Dichterwochenende auf der Tromm: Von alten und neuen Liedern

Dichterwochenende auf der Tromm:
Von alten und neuen Liedern

Fahrt am späten Freitagnachmittag durch dichten Feierabendverkehr auf die Tromm.
Die letzten Kilometer auf dem Trommhöhenweg kommen wir durch den starken Nebel nur noch im Schritttempo voran.
Im Trommhaus erwartet uns Bach und begrüßt uns herzlich.
Wir richten uns ein und bereiten das Abendessen vor.
Während wir essen,
kommen Fichte und Greif an.

Wie immer freuen wir uns über die schöne Hüttenatmosphäre.
Auch die Herbergseltern sind sehr freundlich.
Womöglich sind sie froh,
dass wir am Ende doch nicht so eine große Gruppe geworden sind.

Später sehen wir den Film Das Gespenst der Freiheit von Buñuel,
diskutieren anschließend über Freiheit und Zufall.
Danach Nachtruhe.

Trommhöhenweg

Trommhöhenweg / Foto: clk

Ich wache am frühen Morgen auf,
mache Frühstück,
anschließend Spaziergang auf dem Höhenweg mit Bach,
Fichte,
Greif und Pere.
Diem,
Augl und Stein mit ihrem Mann stoßen zu uns.

Vor dem Trommhaus

Vor dem Trommhaus / Foto: clk

Wieder zurück im Trommhaus beugen wir uns über eine ausgerollte Tapete und beschriften sie mit unseren Gedanken über Dichtung,
angeleitet von Fichtes Fragen nach alten und neuen Liedern und der Lyrik der Zukunft.
Es ist sehr anregend,
und es ergeben sich einige bemerkenswerte Verbindungen.
Immer wieder stellt sich die Frage nach der Form.
Bach besteht darauf,
er wolle den Menschen hinter der Dichtung sehen,
worauf wir die dichterische Mindmap an die Holzvertäfelung hängen.
Wir kochen und essen zu Mittag.

Alte und neue Lieder

Alte und neue Lieder / Foto: belmonte

Am Nachmittag leite ich den Workshop Metrik und Kontrafaktur.
Ich beginne mit einem holzschnittartigen Abriss der deutschen Metrik,
gehe über zur italienischen Metrik mit Fokus auf Silbenzählung und Sinalefe und von dort zur Kontrafaktur.
Ich erläutere die Form der Lauda und wähle als Beispiel Iacopone da Todis Troppo perde‘l tempo chi ben non t’ama aus und erkläre die spezielle Vers-,
Reim- und Stophenform.

Metrik der Lauda

Metrik der Lauda / Foto: clk

Wir hören die Lauda in zwei Versionen,
schnell von La Reverdie,
langsam und mit sanfter Orgel vom Ensemble Micrologus.
Danach versucht sich jeder an einer eigenen Kontrafaktur auf Refrain und Strophe.
Einige Workshop-Teilnehmer sind konsterniert,
können kaum beginnen und finden die Aufgabe befremdlich.
Das sei doch kein Dichten.
Fichte beschwert sich,
sie könne so nicht schreiben,
verstehe auch meine Angaben der Vershebungen nicht.
Stein ist anfangs ziemlich fassungslos.
Diem und Augl akzeptieren die Aufgabe als Fingerübung.
Bach fängt sofort an zu meißeln.
Nach etwa einer Stunde sammle ich die Erzeugnisse ein und singe sie in Begleitung meines indischen Harmoniums.
Abgesehen von der mediokren Qualität meines Gesanges lassen sich die Ergebnisse nach dem sperrigen Beginn nicht so schlecht an.
Steins einsilbiges Bla bla da da … singt sich am besten,
fast schon ein dadaistisches Trobar clus.

Bach und Stein diskutieren über Dichtung

Bach und Stein diskutieren über Dichtung / Foto: clk

Danach folgt eine lange Diskussion über Dichtung.
Stein hat eine existenzielle Krise,
gibt an,
ganz unten zu sein und nicht mehr dichten zu können.
Anscheinend haben einige,
die bisher frei gedichtet haben,
hier ein Element entdeckt,
dass sie bisher so noch nicht in ihren Werkzeugkasten aufgenommen haben.
Ich sage,
dass es sich hier meiner Ansicht nach um die Fremdheit einer achthundert Jahre alten Musik und Dichtung handle,
die noch tief in uns stecke,
aber nicht so einfach wieder hervorgeholt werden könne.
Am Ende sind alle erschöpft.

Greif zeichnet wunderbar mit Wachs

Greif zeichnet wunderbar mit Wachs / Foto: clk

Vegetarisches Abendessen beruhigt uns ein wenig,
auch weil die Kinder wieder mit dabei sind.

Zwischenzeitlich sind auch Jäger mit ihren beiden Söhnen sowie Fichtes Mann mit ihrer Tochter dazugekommen.

Nach dem Abendessen geht es Diem schlecht.
Sie zieht sich auf ihr Zimmer zurück.
Alle sind besorgt.

Später lesen wir Antigones Trauer in verteilten Rollen.
Wir sind sehr müde und verziehen uns bald in die Schlafräume.

Am Morgen stehen auf dem Frühstückstisch Nikolauskörbchen für die Kinder,
eine ganz friedliche Atmosphäre.
Gespannt brechen die Kinder
– und die Erwachsenen nach ihnen –
zur Schatzsuche in den Wald auf.

Während am Morgen noch eine herrliche Sonne scheint,
bedeckt sich bald der Himmel und Regen kündigt sich an.
Ein traditioneller Trommspruch lautet:
„Wenn der Zug von Fürth aus auf der Tromm zu hören ist,
wird es Regen geben.“

Ein kurzes und kaltes Mittagessen.
Zu einer weiteren Lesung kommt es leider nicht mehr.
Wir brechen auf.

(c) belmonte 2015

Dichterwochenende auf der Tromm: Vorbereitung und Programm

Dichterwochenende auf der Tromm: Vorbereitung und Programm

Am kommenden Freitag, den 4. November 2015, brechen wir zu unserem Dichterwochenende auf der Tromm auf (siehe Einladung).

Hierzu noch ein paar Informationen:

Hausanschrift:

Trommhaus
Mooswiese 67
64689 Grasellenbach
Ortsteil Scharbach

Für Freitag Abend wäre es schön, wenn Ihr warme oder kalte Speisen mitbringt (Auflauf, Pizza, Lasagne, Zwiebelkuchen, Kartoffelsalat, Baguette etc.).

Leider haben wir zur Zeit weniger Mitfahrgelegenheiten als nötig. Ihr könnt daher alternativ auch die Regionalbahn von Weinheim nach Fürth nehmen und wir organisieren eine Abholung von dort.

Trommstraße

Trommstraße / Foto: Klaus Kirchner

Kosten (bitte Bargeld mitbringen):

Verpflegung kaufen wir vorab ein. Erfahrungsgemäß ergeben sich pro Tag ca. 8 Euro (für Kinder die Hälfte). Getränke werden vor Ort im Getränkeausschank gekauft.
Bitte denkt an Bettwäsche, ansonsten einmalig 8 Euro vor Ort.
Für die Übernachtung rechnet bitte 10,50 Euro pro Nacht (Doppel- bzw. Mehrbettzimmer) oder 8,50 Euro in einem der beiden sogenannten Bettenlager unterm Dach. Für Kinder kostet die Übernachtung 8,50 Euro (Bettenlager 7,50 Euro).

Denkt an warme Kleidung und festes Schuhwerk. Auch dicke Socken oder Hausschuhe für die Schlafräume sind empfehlenswert. Wer Taschenlampen hat, bringe sie mit.

Wir haben das folgende Programm ausgearbeitet, das natürlich nicht in Stein gemeißelt ist:

Freitag, 4. Dezember 2015

16 – 18 Uhr Ankunft im Trommhaus
18.30 Uhr Abendessen (mitgebrachte Speisen)
19.30 Uhr Lesung eigener Gedichte (wer möchte)
20.00 Uhr Workshop „Lyrik der Zukunft“ (CKie)
20.45 Uhr Sprachperformance (EKis, MTag)
Anschließend Nachtwanderung

Samstag, 5. Dezember 2015

8.30 Uhr Frühstück
9.30 – 12 Uhr Assoziatives Schreiben
Gruppe 1: Workshop „Schreiben zu epischer Musik“ (GBel)
Gruppe 2: Wellen Projekt – Schreiben zu dem Hörspiel „Die Wellen“ von V. Woolf (EKis, MTag)
12 – 14 Uhr Gemeinsames Kochen und Mittagessen
14 – 16 Uhr Wanderung / Land Art (MTag)
16 – 18.30 Uhr Workshop „Metrik / Ballata“ (GBel)
18.30 Uhr Abendbrot
20 – 22 Uhr
Gruppe 1: Szenische Lesung „Antigones Trauer“ oder „Junas Lob“ (GBel und wer möchte)
Gruppe 2: Film / Lesung für Kinder (wer möchte)
22 Uhr Filmvorführung + Diskussion

Sonntag, 6. Dezember 2015, Nikolaus

8.30 Uhr Frühstück
9.30 Uhr Lesung einer Nikolausgeschichte (wer möchte)
10 Uhr Lesung eigener Texte mit Diskussion (wer möchte)
12 – 14 Uhr gemeinsames Kochen und Mittagessen
14 Uhr Spaziergang / Schatzsuche
16 Uhr Aufbruch

Falls Ihr Fragen habt oder Euch noch „last minute“ anmelden möchtet, meldet Euch bei claudia dot reich at gmx dot net oder bei belmonte at vnicornis dot com.

Wir freuen uns auf das gemeinsame Wochenende, auf die Lese- und Schreibzeiten, auf viele neue Ideen, auf Spaziergänge, gemeinsames Kochen und alles andere.

Dichterwochenende auf der Tromm

Dichterwochenende auf der Tromm

Liebe Dichter, Sänger, Fotografen, Land-Artisten, Blogger und Ausdruckskünstler,

vom 4. bis 6. Dezember 2015 (Freitag Nachmittag bis Sonntag) veranstalten wir unser nächstes Dichterwochenende im Trommhaus im Odenwald.

Wir haben für dieses Mal ein ansehnliches (und hemmungslos vorläufiges) Programm vorbereitet, unter anderem mit folgenden Aktivitäten:

– Workshop zu „Lyrikthemen der Zukunft“
– assoziatives Schreiben nach epischer Musik
– Lesung eigener Texte
– szenische Lesung
– Werkstatt: Metrik

Darüber hinaus werden wir natürlich gemeinsame Kochkunst und Völlerei betreiben, am Tag und in der Nacht wandern, die Beine ausstrecken, in der Nacht auf Sonntag mit den Kindern auf den Nikolaus warten und über allem Wirrwarr Erfahrungen und Ideen austauschen.

Trommhaus unter Wolken

Trommhaus unter Wolken / Foto: belmonte

Das Wochenende ist wie immer nicht-kommerzieller Natur. Kosten fallen allein für Anreise, Übernachtung und Verpflegung an.

Vorgesehen sind zwei Übernachtungen (10,50 Euro pro Person und Nacht, etwas preiswerter wird es in den sogenannten Bettenlagern unterm Dach). Bettwäsche kann mitgebracht werden, ansonsten einmalig 7 Euro für die Ausleihe vor Ort). Internetadresse mit Anfahrtsweg und weiteren Informationen unter www.trommhaus.de.

Verpflegung kaufen wir vorab ein. Kinder sind herzlich willkommen.

Da die Anzahl der Teilnehmer begrenzt ist, meldet Euch bitte frühzeitig an (belmonte at vnicornis dot com).

Wir freuen uns auch dieses mal über viele neue Gesichter und ein paar ebenso epische wie lyrische Workshop-Tage.

Autoren- und Künstlerwochenende auf der Tromm | 2

Wir erreichen das Trommhaus im Odenwald am frühen Freitagabend. Es ist kalt und dunkel auf der Tromm. Wir essen mitgebrachtes Chili con carne und Kartoffelsalat, singen zur Gitarre und unterhalten uns munter. Belmonte spielt ein wenig auf seinem indischen Harmonium. Beck rezitiert aus dem Gedächtnis sein Gedicht über die griechischen Götter.

Später ziehen wir uns in unsere Schlafzimmer zurück, Mehrbettzimmer im ersten Stock oder die beiden Schlaflager unterm Dach. Über Nacht ist die Heizung ausgeschaltet, erst am Morgen wird es wieder richtig warm.

Gemeinsames Frühstück. Da das Heizen des Ofens für die Herbergseltern zu aufwändig ist, rösten wir die Aufbackbrötchen in der Pfanne, bis die gesamte Küche in schwarzem Rauch liegt.

Am Vormittag wandern wir über den Trommhöhenweg, gehen über den laubbedeckten Waldboden zu einem Haufen moosbewachsener Granitfelsen, sehen im fernen Dunst Pferde auf ihrer Weide und erreichen schließlich die Kunsthäuser und das Hoftheater. Alles macht einen sehr zugeschlossenen Eindruck, außer uns ist keine Menschenseele weit und breit zu sehen.

Der milchige Trommwald

Der milchige Trommwald / Foto: Klaus Kirchner

Die gesamte Tromm liegt in einer Wolke. Der luftige Wald hat etwas sehr milchiges und mystisches. Von den Bäumen tropft das Nebelwasser. Es ist unheimlich kalt, der Wind zieht unter die Jacken. Glücklich ist, wer warme Winterkleider und gutes Schuhwerk dabei hat.

Wieder im Trommhaus essen wir Salat, Nudeln mit Tomatensauce und gebratene Auberginen zu Mittag. Valentino hängt einige seiner Holzdrucke auf und erläutert seine Kunst. Einige fertigen Charakterbeschreibungen von mitgebrachten Porträtzeichnungen an. Kindergesichter werden geschminkt. Erneut rezitiert Beck eines seiner Gedichte aus dem Kopf. Kiefer führt ihr Engelgedicht auf. Walper stößt mit seiner Tochter zu uns.

Ein Zebra auf der Tromm

Ein Zebra auf der Tromm / Foto: Klaus Kirchner

Nach dem Abendessen machen wir eine Nachtwanderung und sehen danach die von Kirchner mitgebrachten Kurzfilme der Filmakademie Baden-Württemberg. Wir lachen viel.

Am nächsten Morgen spazieren wir nach dem späten Frühstück in derselben Wolke, die bereits am Vortag über der Tromm hing, nach Scharbach, essen zu Mittag und verabschieden uns nach einem viel zu kurzen Aufenthalt vom Trommhaus. Auf Wiedersehen im Frühjahr.

(c) belmonte und valentino 2014

Autoren- und Künstlerwochenende auf der Tromm | 1

Am vergangenen Wochenende fand unser Autoren- und Künstlertreffen im Trommhaus im Odenwald statt, eine famose Gemeinschaft neuer Gesichter, anregender Gespräche und lachender Kinder, begleitet von Gedichten über Engel und griechische Götter neben ausgiebiger Tafelei unter Holzdrucken und Aquarellzeichnungen. Wir werden in den kommenden Wochen darüber in Wort und Bild berichten.

Trommhaus im Nebel

Trommhaus im Nebel / Foto: Klaus Kirchner

Das vernebelte Foto vermittelt einen ersten Eindruck von den Wetterverhältnissen. Für die gesamte Dauer unseres Aufenthaltes lag die Trommhöhe in einer Wolke und entrückte uns in eine wahrhaft überirdische Atmosphäre: Drei Tage Wolkenkuckucksheim.

(c) belmonte 2014

Autoren- und Künstlerwochenende auf der Tromm (letzte Vorbereitungen)

Trommhaus

Trommhaus / Foto: valentino

Nächstes Wochenende ist es soweit, dass wir zu unserem gemeinsamen Tromm-Wochenende aufbrechen (siehe Einladung). Ein paar Plätze sind übrigens noch frei (Anmeldung unter belmonte at vnicornis dot com).

Hierzu noch ein paar Informationen:

Das Trommhaus wird am Freitag, den 28. November, ab 17.30 Uhr für uns geöffnet sein.

Hausanschrift:

Trommhaus
Mooswiese 67
64689 Grasellenbach
Ortsteil Scharbach

Wer kein Auto hat und nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln kommen möchte, kann sich bei uns melden, dann versuchen wir, eine Mitfahrgelegenheit zu organisieren.

Verpflegung werden wir vorher einkaufen. Getränke sind vor Ort vorhanden. Für das Abendessen am Freitag wäre es gut, wenn jeder nach Möglichkeit eine vorbereitete Speise mitbringen könnte (Auflauf, Pizza, Lasagne, Zwiebelkuchen, Kartoffelsalat etc.).

Denkt an warme Kleidung und festes Schuhwerk, Bettwäsche oder Schlafsäcke. Wer Taschenlampen hat, bringe sie mit. Auch ein Fußball und ein paar Spiele für die Kinder sind sicherlich sinnvoll.

Vor allem: Bringt Texte, Bilder, Grafiken oder was immer für Werke und Ideen, Entwürfe oder Anregungen mit. Vielleicht können wir ja ein paar Spuren hinterlassen. Jeder ist ein Künstler!

Viele Grüße,

vnicornis und Wort & Wasser

Autoren- und Künstlerwochenende auf der Tromm

Einladung zum Autoren- und Künstlerwochenende im Trommhaus

vnicornis

TrommhausTrommhaus / Foto: valentino

Vom 28. bis 30. November 2014 (Freitag Nachmittag bis Sonntag) veranstaltet vnicornis zusammen mit der Autoren- und Künstlergruppe Wort & Wasser ein gemeinsames Wochenende im Trommhaus im Odenwald.

Neben Tag- und Nachtwanderungen, Spaziergängen, ausgiebigem Tafeln und Muße planen wir folgende Aktivitäten:

– Lesung von Texten
– Austellung von Grafiken und Bildern
– eventuell eine szenische Lesung
– Gesang
– Erfahrungs- und Ideenaustausch

Wie bereits bei früheren Gelegenheiten ist das Wochenende nicht-kommerziell und verfolgt keinerlei sonstige Zwecke. Kosten fallen lediglich für Anreise, Übernachtung und Verpflegung an.

Vorgesehen sind zwei Übernachtungen (10 Euro pro Person und Nacht, etwas preiswerter wird es in den sogenannten Bettenlagern). Bettwäsche kann mitgebracht werden, ansonsten einmalig 6 Euro für die Ausleihe vor Ort). Internetadresse mit Anfahrtsweg und weiteren Informationen unter www.trommhaus.de.

Beschreibung Tromm:
Die Tromm ist sowohl ein Berg (577 m über Meeresspiegel) als auch ein Höhenzug inmitten des hessischen Odenwaldes. Wunderbar…

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Autoren- und Künstlerwochenende auf der Tromm

Trommhaus

Trommhaus / Foto: valentino

Vom 28. bis 30. November 2014 (Freitag Nachmittag bis Sonntag) veranstaltet vnicornis zusammen mit der Autoren- und Künstlergruppe Wort & Wasser ein gemeinsames Wochenende im Trommhaus im Odenwald.

Neben Tag- und Nachtwanderungen, Spaziergängen, ausgiebigem Tafeln und Muße planen wir folgende Aktivitäten:

– Lesung von Texten
– Austellung von Grafiken und Bildern
– eventuell eine szenische Lesung
– Gesang
– Erfahrungs- und Ideenaustausch

Wie bereits bei früheren Gelegenheiten ist das Wochenende nicht-kommerziell und verfolgt keinerlei sonstige Zwecke. Kosten fallen lediglich für Anreise, Übernachtung und Verpflegung an.

Vorgesehen sind zwei Übernachtungen (10 Euro pro Person und Nacht, etwas preiswerter wird es in den sogenannten Bettenlagern). Bettwäsche kann mitgebracht werden, ansonsten einmalig 6 Euro für die Ausleihe vor Ort). Internetadresse mit Anfahrtsweg und weiteren Informationen unter www.trommhaus.de.

Beschreibung Tromm:
Die Tromm ist sowohl ein Berg (577 m über Meeresspiegel) als auch ein Höhenzug inmitten des hessischen Odenwaldes. Wunderbar abgelegen, ist das Trommhaus dennoch gut mit dem Auto zu erreichen. Außerdem fährt eine Regionalbahn von Weinheim (Bergstraße) nach Fürth (Odenwald) mit Ausstieg in Rimbach. Von dort sind es 6 km Wanderung zum Trommhaus (380 Höhenmeter zum Teil recht steil aufwärts).

Verpflegung wird vorab eingekauft, um dort gemeinsam zu kochen (vollständig ausgestattete Küche ist vorhanden). Kinder sind herzlich willkommen.

Da die Anzahl der Teilnehmer begrenzt ist, bitten wir um frühzeitige Anmeldung: belmonte at vnicornis dot com.

Wir freuen uns auf viele neue Gesichter und ein paar schöne und anregende Tage.

Viele Grüße,

vnicornis und Wort & Wasser

Die Künstlerkolonie Tromm | 4 | Ein Dialog | 2

VALENTINO:
Wenn ich deinen Ausführungen folge, nach denen Künstler Welten erschaffen, was ich durchaus unterstreiche, wozu müssen sie dann dafür irgendwo hingehen? Die Welten, die sie erschaffen, befinden sich in ihren Köpfen. Natürlich werden sie von der Wirklichkeit – von anderen Künstlern und Literaten – beeinflusst. Indem sie ihre Kunst erschaffen, formen sie diese Eindrücke subjektiv aus. In ihren Werken, ihrem Stil, ihrem Duktus kann der Betrachter dann die Welt aus der Sichtweise des Künstlers erkennen. Diese Subjektivität, die subjektive Herangehensweise, steht für mich sogar noch über der Virtuosität des Künstlers. Sie ist eben der Ausdruckswille, der über gesellschaftliche Konventionen und ökonomische Zwänge hinweg Künstler antreibt, ihre Welten auszuformen. In Worpswede gab es tatsächlich Parallelwelten zwischen Künstlerkolonie und Dorfbevölkerung. Diese unterschiedlichen Welten müssen sich ja nicht zwangsläufig gegenseitig zerstören (in dem Sinne, wie die „Mutterländer“ des Kolonialismus ihre Kolonien wirtschaftlich ausgebeutet haben und sich, von ihren Ideologien geleitet, der kolonisierten Bevölkerung überlegen fühlten). Es war wohl eher so, dass sie aneinander vorbei lebten, was eher seltsam als zerstörerisch war. Aber aus Sicht der Dorfbevölkerung waren die Künstler vielleicht arrogant oder ignorant. Und vielleicht verhielt es sich umgekehrt genauso. Natürlich kann den Künstlern das auch einfach egal sein.

BELMONTE:
Ich bin da nicht so sicher, ob die Welten, die Künstler erschaffen, sich in ihren Köpfen befinden. Wenn dem so wäre, bräuchte es ja den A u s d r u c k nicht. Die Welten des Künstlers entstehen ja erst im Ausdruck, sozusagen im Herausdrücken aus dem Kopf. Und sicherlich benötigt es dazu auch etwas, das in den Kopf hinein gekommen ist. (Und ich denke, dafür muss ein Künstler – und sei es auch nur im übertragenen Sinne – tatsächlich irgendwo hingehen.) Ansonsten besteht aus meiner Sicht die Gefahr, dass der Künstler in sich selbst eingeschlossen bleibt, dass der Kopf sich kontinuierlich mit dem Inhalt des Kopfes beschäftigt, ihn immer wieder dreht und wendet, dabei aber nichts nach außen gibt. Die Folge ist Wahnsinn und womöglich genau die Folge eines versickerten Ausdruckswillens. Es ist eben alles im Kopf geblieben.

Mich würde an dieser Stelle noch interessieren, was genau Du mit subjektiver Herangehensweise meinst und wie Du sie mit dem Ausdruckswillen in Deckung bringst. Was wäre denn eine nicht-subjektive Herangehensweise?

Steinskulptur auf der Tromm

Steinskulptur auf der Tromm / Foto: Valentino

VALENTINO:
Eine rhetorische Frage. Mit meiner Aussage, eine subjektive Herangehensweise stehe für mich über der Virtuosität eines Künstlers, habe ich wohl kaum behauptet, es gebe eine nicht-subjektive Herangehensweise, oder? Ich meine, dass in einer Gruppe von Individuen jeder die Wirklichkeit anders oder jeder in ihr wieder andere Facetten sieht. Man könnte auch sagen, es gibt so viele Wirklichkeiten, wie es Künstler gibt (zum Beispiel auf eine – fiktive – Künstlerkolonie bezogen). Und diese Tatsache ist für mich erst einmal wichtiger, als die Kunstfertigkeit der Mitglieder. Auch hier geht es um Austausch. Jeder hat verschiedene Fähigkeiten mehr oder weniger ausgeprägt. In einer Gruppe sollte jeder von jedem lernen können.

Aber ich möchte noch einmal auf die Welten zu sprechen kommen, die sich in den Köpfen der Künstler befinden. Ich teile nicht deine Ansicht, nach der ein Künstler verrückt würde, wenn diese Welten in seinem Kopf blieben. Das ist doch eine sehr mechanistische Vorstellung von der Funktionsweise des Gehirns. Ich könnte zum Beispiel morgen mit dem Malen aufhören (was ich nicht vorhabe) und hätte keine Bedenken, geistigen Schaden davonzutragen. Im Gegenteil denke ich, dass der selbstauferlegte Zwang, zum Beispiel jeden Tag schreiben oder malen zu müssen, zu einer Zwangsidee und schließlich zu Wahnsinn führen kann. Dass es einem Ausdruck bedarf, um die Welten sichtbar zu machen, die sich in den Köpfen befinden – darüber sind wir uns jedenfalls einig. Natürlich habe ich auch ein bisschen provozieren wollen mit der Behauptung, der Künstler bräuchte nirgendwo hingehen. Das hätte ich so nicht gesagt, wenn ich nicht schon die eine oder andere Reise gemacht hätte. Und natürlich braucht es, wie ich ja bereits sagte, Einfluss von außen (das können ja auch gute Bücher sein). Wenn ein Künstler jedoch diesen Einfluss hat, kann er in den Welten, die sich in seinem Kopf befinden, reisen, ohne dafür einen Schritt vor die Tür zu setzen – und ohne gleich wahnsinnig zu werden.

BELMONTE:
Subjektivität und Wahnsinn – ein spannendes Feld. Meine Vorstellung des Gehirns ist tatsächlich recht mechanistisch. Darüber steht allerdings die Seele, die ich weder als mechanistisch bezeichnen noch überhaupt mit einer wie immer gearteten Funktionsweise in Verbindung bringen würde. Und der Begriff Wahnsinn ist natürlich viel zu ungenau, um so eine simple Folge E n d e d e r K u n s t => W e l t e n b l e i b e n i m K o p f => W a h n s i n n aufzustellen. Dennoch glaube ich, dass etwas dran ist: Der Künstler hat einen Ausdruckswillen. Geht ihm dieser Ausdruckswillen nun abhanden, ist er dann noch Künstler? Ist er noch Künstler, wenn der Strom versiegt ist? Und was ist mit jenen, die aus einer anfangs grandiosen Schöpfung eine Masche gemacht haben, die sie nun immer und immer wiederholen? Wird dann nicht der Künstler zum Kunsthandwerker? Zum Zubringer seiner eigenen Schöpfung? Und daran schließt sich die Frage an, was jemand von jemandem lernen kann. Eine Masche, eine Kunstfertigkeit, eine Fähigkeit ist erlernbar. Aber ein Ausdruckswille?

VALENTINO:
Für mich ist die Funktionsweise des Gehirns organisch: Seine organische Struktur spiegelt die wahrgenommene Wirklichkeit wider und ich glaube, dass man sie in den Werken erkennen kann. Ich denke, jeder ist ein Künstler, der sein Talent erkannt hat und sich als solcher versteht. Ob ein Ausdruckswille erlernbar ist, wage ich zu bezweifeln. Entweder hat man ihn, oder man hat ihn nicht. Aber so genau kann ich das auch gar nicht sagen. Falls der Ausdruckswille versiegt sein sollte, hängt es davon ab, warum das passiert ist. Ist das Œuvre bereits geschaffen und der Geist gibt nichts mehr her? Oder gibt es äußere, ökonomische Zwänge? Dann frage ich mich: Was verstehe ich unter Freiheit? Und: Wie kann ich unter schwierigen Bedingungen frei leben?

(Zurück zum ersten Teil des Dialoges …)

(c) belmonte und valentino 2014

Die Künstlerkolonie Tromm | 4 | Ein Dialog | 1

BELMONTE:
Was bedeutet für Dich „Künstlerkolonie“? Und kann „Künstlerkolonie“ – zumindest als Idee – unter heutigen Gegebenheiten Bestand haben?

VALENTINO:
Seit der Industrialisierung haben wir uns immer mehr von unserer Natur entfremdet. In der Folge bildete sich die Künstlerkolonie als Gegenbewegung. Für mich geht es darum, das Gleichgewicht zwischen uns und unserer Natur wieder herzustellen. Da finde ich die Künstlerkolonie – als Idee – durchaus reizvoll, auch wenn sie heute nicht mehr zeitgemäß erscheint. Mich beschäftigt, wie wir miteinander leben wollen, wo die Muße, die gegenseitige Unterstützung bleibt.

Himmel über der Tromm

Himmel über der Tromm / Foto: belmonte

BELMONTE:
Muße und Muse, würde ich sagen. Mir gefällt, dass du die gegenseitige Unterstützung erwähnst, also den gemeinschaftlichen Aspekt der Künstlerkolonie. Ich denke, dieser gemeinschaftliche Charakter einer Künstlerkolonie – beziehungsweise der Idee Künstlerkolonie – ist enorm wichtig. Er sollte aber nie das Einzelgängerische des Künstlertums zerstören, sollte es vielmehr fördern. Denn der Ausdruckswille der Kunst ist aus meiner Sicht immer ein Ausdruckswille des Einzelnen. Künstlerkolonie sollte nach meinem Dafürhalten nicht in der Bildung einer künstlerischen Schulrichtung münden.

VALENTINO:
Ich denke an eine Vielfalt von Ideen und Herangehensweisen – allein neigt man ja dazu, auf immer dieselben Muster zurückzugreifen, bekannte Wege zu gehen. In einer Kolonie oder in einer Gruppe (was für mich irgendwie vertrauter klingt) kann man sich, so stelle ich mir jedenfalls vor, gegenseitig inspirieren und von ausgetretenen Pfaden abbringen. Als Individualist stehe ich einer solchen Gruppenarbeit allerdings skeptisch gegenüber. Denkst du nicht, dass sich die hochgeistigen Ideale oft an kleingeistigem Geplänkel aufreiben?

BELMONTE:
Kleingeistiges Geplänkel ist doch aber manchmal das Salz in der Suppe, wenn man über die zahlreichen Künstlergruppen der letzten beiden Jahrhunderte liest. Findest Du nicht? Und tatsächlich hatten die meisten Künstlergruppen keinen dauernden Bestand. Irgendwann ist die gegenseitige Inspiration ausgeatmet und es werden wieder die eigenen Wege beschritten. Das spricht meiner Ansicht nach noch nicht gegen die Künstlergruppe an sich.

Ich würde aber gerne noch auf den Begriff der Kolonie zu sprechen kommen. Kolonisation ist Landnahme, ein Suchen-Finden, ein Dort-gehen-wir-hin (mit Betonung auf jedem einzelnen Wort). Wahrscheinlich steckt darin aber schon die Paradoxie, wenn man das Urbarmachen der Kolonisation auf den Ausdruckswillen der Kunst anwendet. Wir suchen das unbebaute Land, den Ursprung, und machen es urbar, formen es aus. Wenn diese Ausformung aber geschehen ist, dann ist der Zeitpunkt gekommen, dass die Gruppe sich wieder trennt – nach Jahren oder womöglich bereits nach einem Wochenende.

VALENTINO:
Aus Sicht zum Beispiel der Künstlerkolonie Worpswede oder der Schule von Barbizon kann ich – im Kontext ihrer Zeit – durchaus nachvollziehen, warum die Künstler in die Landschaft gingen. Bei den Künstlern aus Worpswede war es ja vor allem der Widerwille gegen eine verstaubt anmutende Akademie-Malschule. Das Bedürfnis, der Natur wieder näher zu kommen, ist wohl heute kaum geringer als damals. Unbebaut und unbevölkert war das Land allerdings auch damals schon nicht. Und so ergab sich eben auch das Problem der Parallelwelt: Die Einheimischen konnten einfach nicht nachvollziehen, was die Maler dort treiben, was sie bewegt.

BELMONTE:
Das betrachte ich nicht als Problem. Wer mit Kunst oder Literatur nichts anfangen kann, soll es bleiben lassen oder es später nochmal versuchen. Ich stoße mich indes ein wenig an dem Begriff der Parallelwelt, bei dem ein bisschen der naheliegende Begriff der Parallelgesellschaft anklingt. Künstler schaffen aus meiner Sicht keine Parallelwelten sondern Welten. Problematisch wird es dann, wenn diese neuen Welten andere bereits bestehende Welten zerstören. Der Kolonialismus ist ja in weiten Teilen genau so vorgegangen. Etwas Ähnliches kann ich allerdings bei den Worpsweder Künstlern nicht erkennen. Deine Frage „Wie sollen die Menschen nachvollziehen, was die Künstler bewegt?“ ist sicherlich aus vielen Lebenssituationen nachvollziehbar. Aber ist das tatsächlich relevant? Wer nachvollziehen will, kann nachvollziehen. Und was geht es den Künstler an, der aus seinem Ausdruckswillen heraus lebt. Viel wichtiger ist, dass dieser Ausdruckswille nicht von außen, durch welche Ideologie auch immer, gelenkt wird und eben die Welt schaffen kann, die er will.

(Fortsetzung …)

(c) valentino und belmonte 2014