Unterwegs im Lande des Vlad Țepeș | Achter Teil

valentino

Iosefina, Grigore und Fabia vor dem Neubau

Illustration: Valentino

Trübes Wetter, nebelverhangene Berge und zusehends kultivierte Dörfer prägten die Landschaft. In Mureșenii Bârgăului, einem kleinen Bergdorf, verhinderte Platzregen unsere Weiterfahrt. Einen Unterstand bot der Rohbau eines Hauses auf der anderen Seite der Straße. Eine Frau rief und winkte zu uns herüber, wir sollten unsere Räder in der Scheune abstellen. Kurz darauf saßen wir in der gemütlichen, trockenen Stube der Javeleas bei einigen Gläsern Țuică. Mutter Iosefina, Vater Marian, Tochter Fabia und die Söhne Grigore und Nicolaie hatten viel Zeit damit verbracht, die Zimmer mit selbstgestickten Tischdecken, gewebten Teppichen und handgefertigten Vorhängen zu schmücken.

Auf der anderen Seite des Hofes lag in einer Kammer die Destille, bestehend aus zwei großen Kupferbehältern, die an ihren Oberseiten durch ein spiralförmiges Rohr verbunden waren. In einem Behälter, erklärte uns Marian, erhitzte er überreife Pflaumen und rührte diese zu einer Flüssigkeit. Durch das Rohr stiegen die alkoholischen Dämpfe in den anderen Behälter, in dem sie sich wieder verflüssigten und durch Beimischung von Wasser Țuică ergaben. Es regnete noch immer, und weil die Familie vorschlug, wir sollten bei ihnen übernachten, nahmen wir auf ein Weiteres die Gastfreundschaft der Javeleas an. Zwar wollten wir beim Bau des nebenan stehenden Hauses helfen, jedoch überredete uns Iosefina auszuruhen.

Wir gingen mit Fabia durch das Dorf und kauften bei anderen Dorfbewohnern einige Lebensmittel ein. Bei unserer Rückkehr waren die Söhne weiter vorangekommen mit dem Bau des Hauses, für den sie Holz aus dem nahegelegenen Wald geholt hatten. Inzwischen war aus Cluj Narcisa, eine Freundin der Javeleas, eingetroffen, die Deutsch sprach. Beim Abendessen, das aus Mămăligă, rumänischem Maisbrei mit Schmand, Kartoffeln, Bohnensuppe und Brot bestand, erzählte sie uns von dem tragischen Ereignis, das sich in der Familie Javelea zugetragen hatte.

(c) valentino 2012

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Unterwegs im Lande des Vlad Țepeș | Siebter Teil

valentino

Haus in Transsilvanien

Illustration: Valentino

In einem Dorf trafen wir Gheorghe, der sich als „König der Schnapsbrenner“ ausgab. Tatsächlich brannte er, wie sich nach einer Kostprobe herausstellte, ausgezeichneten Pflaumenschnaps. In kurzer Zeit versammelte sich nahezu die ganze Familie auf dem Hof, was uns zu einem etwas überstürzten Aufbruch nötigte. Nachdem wir eine Flasche des edlen Trunkes ersteigert, das Dorf verlassen und das Zelt aufgebaut hatten, fielen wir dank Țuică in einen tiefen Schlaf, den der Regen bis in die Mittagsstunden des nächsten Tages verlängerte, so dass an eine Weiterfahrt bei dem Wetter nicht zu denken war.

Nachmittags in Bistrița beschrieb uns Lucia auf Englisch den Weg zum Hotel. Wir trafen Lucia, die an der Universität von Năsăud Volkskunde studierte, am folgenden Vormittag an dem großen Glockenturm aus dem 14. Jahrhundert, der zu einer Pfarrkirche gehörte. Im Museum für Kunst- und Kulturgeschichte der Region Bistrița-Năsăud weckte sie unsere Begeisterung für archäologische Funde, Werkzeuge, Waffen und Schmuck aus vorchristlicher Zeit, traditionelle Einrichtungen, landwirtschaftliche Geräte und Trachten der Siebenbürger Sachsen.

Unser nächstes Ziel hieß Vatra Dornei. Wir näherten uns den Karpaten, dem Gebirge, welches durch Bram Stokers Vampir-Klassiker Berühmtheit erlangt hatte. Allerdings war von den finsteren, unheimlichen Felsformationen nichts zu sehen. Die bewaldeten Vorgebirge der Karpaten machten einen eher friedlichen Eindruck. Auch entdeckten wir weit und breit keine Spur von Vampiren. Zumindest nicht zu diesem Zeitpunkt, da uns das Tageslicht noch beschützte.

(c) valentino 2012

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Unterwegs im Lande des Vlad Țepeș | Sechster Teil

valentino

In Popeni

Illustration: Valentino

Wir saßen in Popeni am Straßenrand, als uns eine Bäuerin nach einem kurzen Wortwechsel durch das kleine Dorf auf ihren Hof führte, auf dem Hühner, Gänse und Katzen herum liefen. Sie bot uns an, auf den beiden Stühlen am Tisch neben der Eingangstür Platz zu nehmen. Wir setzten uns und sie ging in das Haus. Kurz darauf trat sie mit einer Karaffe wieder heraus, füllte auf dem Tisch stehende Gläser randvoll mit Rotwein sowie zwei Schnapsgläser mit Țuică, Pflaumenschnaps, und forderte uns zum Trinken auf.

Die Frau rollte Teig zu Fladen, aus denen sie in einer Pfanne mit heißem Schmalz eine Art Maispfannkuchen zubereitete, welche sie uns mit einer groben Joghurtsoße servierte. Als wir uns sattgegessen hatten, packte sie die übriggebliebenen Fladen zusammen mit Brot, Speck, Paprika und Tomaten in einen Beutel und gab uns diesen mit auf den Weg. Nach dem Abschied hatten wir wegen unseres berauschten Zustands Mühe, geradeaus zu lenken, überwanden jedoch mit Leichtigkeit Hügel, die uns nüchtern ein Hindernis gewesen wären.

Wir gelangten an einen Fluss, dessen Ufer einen geeigneten Zeltplatz bot. Zwar waren wir noch nicht sehr weit gekommen, aber da es erst später Nachmittag war, konnten wir vor der einsetzenden Dämmerung das Zelt aufstellen und endlich das langersehnte Bad nehmen. Wir sprangen in die Strömung und ließen uns von dem wunderbaren Gefühl inspirieren, welches das kühle und erfrischende Wasser auf unseren Körpern hinterließ.

(c) valentino 2012

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