Soy Nero – Green Card gegen Kriegseinsatz? Von wegen (Filmrezension)

Soy Nero

Von Volker Schönenberger

Kein Mensch ist illegal.

Drama // Der sogenannte DREAM Act ermöglicht es als illegale Einwanderer geltenden US-Immigranten, unter bestimmten Voraussetzungen eine permanente Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten, die später sogar in eine US-Staatsbürgerschaft übergehen kann. Das Akronym „DREAM“ steht dabei für „Development, Relief, and Education for Alien Minors“. Seit 2001 gab es verschiedene Versuche, das Gesetz durch den Kongress und den Senat zu bringen, stets begleitet von teils heftig geführten Debatten.

Nero (l.) schlägt sich per Anhalter …

 

Eine der Voraussetzungen für die begehrte Green Card: Militärdienst – inklusive Auslandseinsatz, der bekanntermaßen durchaus mit Lebensgefahr verbunden ist. Diese Möglichkeit offeriert die US-Army anscheinend bereits seit dem Vietnamkrieg. „Soy Nero“ basiert lose auf den Erlebnissen des Mexikaners Daniel Torres, der bei den Dreharbeiten als technischer Berater fungierte und bei der Weltpremiere des Films auf der Berlinale im Februar 2016 anwesend war.

Mit dem Ausweis des Bruders in die US-Armee

Der Protagonist im Film heißt Nero Maldonado (Johnny Ortiz). In Los Angeles aufgewachsen, ist er bereits mehrmals nach Mexiko abgeschoben worden. In einer Silvesternacht folgt der nächste Grenzübertritt. Nero schlägt sich zu seinem Bruder Jesus (Ian Casselberry) nach Beverly Hills durch. Der überlässt ihm nach einiger Zeit seinen Ausweis, sodass sich Nero als Jesus Maldonado in der US-Armee einschreiben kann. Er wird im Irak auf einem kleinen Kontrollposten stationiert.

… und zu Fuß nach Los Angeles durch

Eskapistisches Kino, Hollywood-Blockbuster ohne echten Bezug zu unserem Hier und Heute – das hat seine Existenzberechtigung. Dennoch: Das Kino hätte keine Existenzberechtigung, würde es nicht auch politische Filmemacher geben, die ihr Talent und ihre Arbeit für klare Botschaften einsetzen oder zumindest Beiträge zu aktuellen Debatten liefern. Der britisch-iranische Filmschaffende Rafi Pitts („Zeit des Zorns“, 2010) steuert mit „Soy Nero“ einen klugen Kommentar zur seit langer Zeit laufenden Diskussion um die Einbürgerung mexikanischer Einwanderer bei – speziell um die Behandlung solcher, die als illegal gelten.

Dort trifft er seinen Bruder Jesus

Mit Neros Stationierung im Irak erhält das Sozialdrama auch einen Unterton als Kriegsdrama. Mit einem Kriegsdrama haben wir es allerdings nicht zu tun, als Kommentar zu Auslandseinsätzen der USA ist der Film weniger geeignet. Das nimmt ihm jedoch nichts von seiner gesellschaftlichen Relevanz. Wir verfolgen den Weg von Nero gern, auch wenn seine Erlebnisse zum Teil etwas bruchstückhaft zusammengefügt wirken. Wenn sich Nero und ein paar mexikanische Kumpels an einem Strand mit ein paar US-Boys auf der anderen Seite der Grenze ein Beachvolleyball-Match liefern, dann ist das zwar eine schöne Szene, sie bleibt aber eine Momentaufnahme ohne direkten Bezug zu Neros Trip. Rafi Pitts‘ Botschaft wird dennoch problemlos deutlich, seine scharfe Kritik an der Einbürgerungspraxis der USA ist nicht zu übersehen. Geradezu zynisch mutet zu Beginn des Films die mit militärischen Ehren erfolgende Beerdigung eines gefallenen Soldaten mexikanischer Abstimmung an: Unter der Erde ist der Tote den Amerikanern willkommen.

Zu wenig Beachtung in den USA

In den USA lief „Soy Nero“ auf nur zwei Festivals, die reguläre Kinoauswertung des Dramas hat vermutlich auch nicht in vielen Sälen stattgefunden. Das ist bedauerlich, gerade nach der Wahl Donald Trumps zum US-Präsident und dessen klar geäußerter Absicht, an der Grenze zu Mexiko eine Mauer hochzuziehen. Solche Stellungnahmen wie die von Rafi Pitts sind im „Land of the Free“ dringend vonnöten.

„Soy Nero“ endet bitter – und mit dem Hinweis, der Film sei allen Green-Card-Soldaten gewidmet, die ausgewiesen wurden, nachdem sie in der US-Armee gedient hatten. Offenbar ist es also eine trügerische Hoffnung, für das Land in den Krieg zu ziehen, um von ihm im Gegenzug als Einwanderer akzeptiert zu werden.

Als GI strandet er in der irakischen Wüste

Veröffentlichung: 5. Mai 2017 als DVD

Länge: 113 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Spanisch, Audiodeskription für Blinde und Sehbehinderte
Untertitel: Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte
Originaltitel: Soy Nero
D/F/MEX/USA 2016
Regie: Rafi Pitts
Drehbuch: Rafi Pitts, Razvan Radulescu
Besetzung: Johnny Ortiz, Ian Casselberry, Aml Ameen, Rory Cochrane, Khleo Thomas, Michael Harney, Joel McKinnon Miller, Alex Frost, Kyle Davis, Pollyanna Uruena, Dennis Cockrum, Richard Portnow, Chloe Farnworth
Zusatzmaterial: Trailershow
Vertrieb: Indigo

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2017 good!movies / Neue Visionen Medien

ORTE KRIEGEN NASSE FÜSSE | TEIL 10 VON 24

valentino

Zeichnung: Dámaso, 23 Jahre

Zeichnung: Dámaso, 23 Jahre

DIE SACHE IST DIE SCHAU ES IST EINE EINTRITT IN DAS PROGRAMM BRACERO EINE UNS HATTEN JETZT WEISS ICH ES IST DIE COLONIA SIE NACH AMERIKA GEHEN UND SEHEN SAGTEN ABER ALS SIE UNS AUS DIESEM FELDERN ZU ARBEITEN UND VOR ALLEM DASS EINEN PICK-UP AUF DER LADEFLÄCHE WAR LAND WIR BEZAHLTEN AUCH ETWA ZWANZIG ALLE IN DIE WOHNKABINE DENN WIR SOLLTEN UM SIE DORT ZU VERWAHREN UND DAS PATROUILLE NICHT SÄHE ALSO WENN WIR UM DIE ILLEGALEN ZU VERPFLEGEN SIE GABEN WAS ER UNS SAGEN WÜRDE DANN NAHMEN UND DANN BEHIELT ICH DEN REST FÜR MICH PICK-UPS EIN UND WIR KONNTEN NICHT SEHEN VERDIENTE KANN MAN SAGEN WEIL WAREN ABGEDUNKELT SIE WAREN DUNKEL MANCHMAL DAUERTEN SIE EINE WOCHE WEISS ES WAR DER PICK-UP FUHR UND VERDIENTE ICH GUT AUF EINER STRECKE AUF HÄTTE SAGEN KÖNNEN HIER KÖNNTE ES SEIN ICH GING DURCH EL HONGO TECATE UND DEN ORT NICHT AUSFINDIG MACHEN TIJUANA ORT NAMENS SANTANITA UND VON DORT ÜBERQUERUNG DER GRENZE NACH NORDEN CLEMENTE ABER ICH HABE VIEL GELITTEN ICH BUNDESTAAT KALIFORNIEN MEXIKO JAHRE ALT ER BLIEB AUF DER ANDEREN ABKOMMEN DAS PROGRAMM BRACERO VON ER BLIEB IN SAN CLEMENTE ICH WEISS NICHT TRATEN DIE USA IN DEN ZWEITEN AUS ICH HABE VERSUCHT VIER MAL ZU ARBEITSKRÄFTE UND MEXIKO WANDELTE SICH ZU GEHEN ICH BIN NICHT WEIT GEGANGEN STAATEN MIT ARBEITSKRÄFTEN BELIEFERTE BENAHMEN SICH NICHT SCHLECHT UND ALS ARBEITETEN IN JENEN JAHREN GINGEN VIER ANDEREN WAREN FRAGTEN SIE MICH BLOSS OB ICH STAATEN UM DORT LEGAL ZU ARBEITEN MIT WOLLE UND ICH SAGTE JA KEINE HALBE UNTERSCHRIEBEN DIESE TATSACHE DIE UND DANN ABER MEINEN MANN ES MEXIKANERN IST HISTORISCH ÖFFNETE DIE WEIL ER MIR SAGTE LAUF LAUF ICH VON MEXIKANERN DIE NIE IHRE LÄNDLICHEN SAGTE IHM ER SOLLE DEN MUND HALTEN ABGELEGENEN ORTEN ODER IN KLEINEN DÖRFERN RENNEN SOLLE ABER ICH RANNTE NICHT WEIL HERR PACKTE IHN UND WARF IHN ZU BODEN INS GESICHT

(c) valentino 2014

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