Feuerwerk am helllichten Tage – Zu Recht zwei Berlinale-Bären (Rezension)

20. Dezember 2014 § Hinterlasse einen Kommentar

Feuerwerk_Tage-Cover

Simon Kyprianou ist Gastautor beim Filmblog Die Nacht der lebenden Texte, den der freundschaftlich mit uns verbundene Blogger Volker Schönenberger betreibt. Er hat sich freundlicherweise bereit erklärt, auch für vnicornis einen Text zu liefern.

Bai ri yan huo

Gastrezension von Simon Kyprianou

Krimidrama // Im Sommer 1999 werden in Nordchina männliche Leichenteile in den Kohlelagern der Region gefunden. Die Polizei nimmt an, dass der Mörder ein Serientäter ist. Der Polizist Zili (Fan Liao) übernimmt den Fall. Bei einer Festnahme wird sein gesamtes Team erschossen. Zili quittiert den Dienst.

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Zili ist ein gebrochener Mann

Einige Jahre später werden im Winter wieder Leichenteile gefunden – der Mörder ist zurück. Zili ist mittlerweile heruntergekommen und müde, ein Mann ohne Aufgabe, abgestumpft und lebenssatt. Der Jagd nach dem Serienkiller wird für ihn zu einer Erlösung, zu einer Wiedergeburt. Alle Opfer hatten eine Beziehung mit Wu Zhizhen (Lun Mei Gwei). Zili beginnt, sie zu beschatten. Nach und nach verliebt er sich in sie.

Ein Antiheld kehrt zurück ins Leben

Am Anfang des Films hat Zili mit seinem Leben abgeschlossen. Seine Frau hat ihn verlassen, seine Leute sind tot, es gibt für ihn keinen Grund mehr zu existieren. Am Ende, wenn er Jahre später den Fall endlich lösen konnte, tanzt er in einer beinahe grotesken, ausufernden Szene wie von Sinnen, wie ein Verrückter zu Musik. Der Erfolg hat ihn erlöst von seiner Depression. Aber es ging im nie um die Menschen, es ging ihm nie um die erloschene Liebe seiner Frau oder seine Zuneigung zu Wu, es ging ihm auch nie um die Wahrheit. Es ging ihm immer nur um den Erfolg, der die Rückfahrkarte in sein früheres Leben bedeutet. Zili ist ein klassischer Antiheld, ein Unmensch, ein Unsympath.

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Wieso sterben die Leute in Wus Nähe wie die Fliegen?

Regisseur Diao Yinan inszeniert mit „Feuerwerk am helllichten Tage“ eine interessante Film-noir-Hommage. Wir begegnen Antihelden, Femmes fatales, wir blicken in menschliche Abgründe und am Ende stehen Leere und Hoffnungslosigkeit. Alles wird untermalt von unaufhörlich fallendem Schnee, der die Welt zu einem surrealen, kalten Ort werden lässt, ein Ort, der das Innere der Charaktere widerspiegelt. Alle Charaktere sind innerlich längst tot, ihre Leidenschaft ist erloschen und ihr Leben vergeudet, ein konsequenter Film noir.

Gewinner des Goldenen und eines Silbernen Bären

Die Reise in den Abgrund wird in ausgesucht schönen Bildern erzählt. Elegisch hält Regisseur Yi’nan Diao die kalte, menschenfeindliche Schneewelt fest, durch die er seine Figuren wie innerlich tote Geister wandeln lässt. Grandios ist das mit dem Silbernen Bären der Berlinale prämierte Spiel von Fan Liao. Mit erschreckender Intensität spielt er das Leiden und die moralische Verwahrlosung seiner Figur. So langsam und gelegentlich vielleicht auch etwas schleppend der Gewinner des Goldenen Bären der Berlinale auch inszeniert ist, er bewahrt sich immer eine düstere Poesie, eine abgründige Trauer und eine grandiose Atmosphäre. Ein beachtlicher Film!

Veröffentlichung: 6. November 2014 als Blu-ray und DVD

Länge: 106 Min. (Blu-ray), 102 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Hochchinesisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Bai ri yan huo
CHN 2014
Regie: Yi’nan Diao
Drehbuch: Yi’nan Diao
Besetzung: Fan Liao, Lun Mei Gwei, Xuebing Wang
Zusatzmaterial: Pressekonferenz der Berlinale, Trailershow, Wendecover
Vertrieb: Studiocanal Home Entertainment

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Eine Festnahme kurz vor der Eskalation

Copyright 2014 by Simon Kyprianou
Packshot & Fotos: © 2014 Studiocanal Home Entertainment

Die Anbetung des Yamantaka

16. Dezember 2014 § Hinterlasse einen Kommentar

(c) valentino 2014

Autoren- und Künstlerwochenende auf der Tromm | 2

13. Dezember 2014 § Hinterlasse einen Kommentar

Wir erreichen das Trommhaus im Odenwald am frühen Freitagabend. Es ist kalt und dunkel auf der Tromm. Wir essen mitgebrachtes Chili con carne und Kartoffelsalat, singen zur Gitarre und unterhalten uns munter. Belmonte spielt ein wenig auf seinem indischen Harmonium. Beck rezitiert aus dem Gedächtnis sein Gedicht über die griechischen Götter.

Später ziehen wir uns in unsere Schlafzimmer zurück, Mehrbettzimmer im ersten Stock oder die beiden Schlaflager unterm Dach. Über Nacht ist die Heizung ausgeschaltet, erst am Morgen wird es wieder richtig warm.

Gemeinsames Frühstück. Da das Heizen des Ofens für die Herbergseltern zu aufwändig ist, rösten wir die Aufbackbrötchen in der Pfanne, bis die gesamte Küche in schwarzem Rauch liegt.

Am Vormittag wandern wir über den Trommhöhenweg, gehen über den laubbedeckten Waldboden zu einem Haufen moosbewachsener Granitfelsen, sehen im fernen Dunst Pferde auf ihrer Weide und erreichen schließlich die Kunsthäuser und das Hoftheater. Alles macht einen sehr zugeschlossenen Eindruck, außer uns ist keine Menschenseele weit und breit zu sehen.

Der milchige Trommwald

Der milchige Trommwald / Foto: Klaus Kirchner

Die gesamte Tromm liegt in einer Wolke. Der luftige Wald hat etwas sehr milchiges und mystisches. Von den Bäumen tropft das Nebelwasser. Es ist unheimlich kalt, der Wind zieht unter die Jacken. Glücklich ist, wer warme Winterkleider und gutes Schuhwerk dabei hat.

Wieder im Trommhaus essen wir Salat, Nudeln mit Tomatensauce und gebratene Auberginen zu Mittag. Valentino hängt einige seiner Holzdrucke auf und erläutert seine Kunst. Einige fertigen Charakterbeschreibungen von mitgebrachten Porträtzeichnungen an. Kindergesichter werden geschminkt. Erneut rezitiert Beck eines seiner Gedichte aus dem Kopf. Kiefer führt ihr Engelgedicht auf. Walper stößt mit seiner Tochter zu uns.

Ein Zebra auf der Tromm

Ein Zebra auf der Tromm / Foto: Klaus Kirchner

Nach dem Abendessen machen wir eine Nachtwanderung und sehen danach die von Kirchner mitgebrachten Kurzfilme der Filmakademie Baden-Württemberg. Wir lachen viel.

Am nächsten Morgen spazieren wir nach dem späten Frühstück in derselben Wolke, die bereits am Vortag über der Tromm hing, nach Scharbach, essen zu Mittag und verabschieden uns nach einem viel zu kurzen Aufenthalt vom Trommhaus. Auf Wiedersehen im Frühjahr.

(c) belmonte und valentino 2014

Porträt | 8

11. Dezember 2014 § Hinterlasse einen Kommentar

Aquarellskizze: Valentino

Aquarellskizze: Valentino

Porträt | 7

9. Dezember 2014 § Hinterlasse einen Kommentar

Aquarellskizze: Valentino

Aquarellskizze: Valentino

Autoren- und Künstlerwochenende auf der Tromm | 1

6. Dezember 2014 § Hinterlasse einen Kommentar

Am vergangenen Wochenende fand unser Autoren- und Künstlertreffen im Trommhaus im Odenwald statt, eine famose Gemeinschaft neuer Gesichter, anregender Gespräche und lachender Kinder, begleitet von Gedichten über Engel und griechische Götter neben ausgiebiger Tafelei unter Holzdrucken und Aquarellzeichnungen. Wir werden in den kommenden Wochen darüber in Wort und Bild berichten.

Trommhaus im Nebel

Trommhaus im Nebel / Foto: Klaus Kirchner

Das vernebelte Foto vermittelt einen ersten Eindruck von den Wetterverhältnissen. Für die gesamte Dauer unseres Aufenthaltes lag die Trommhöhe in einer Wolke und entrückte uns in eine wahrhaft überirdische Atmosphäre: Drei Tage Wolkenkuckucksheim.

(c) belmonte 2014

Porträt | 6

4. Dezember 2014 § Ein Kommentar

Aquarellskizze: Valentino

Aquarellskizze: Valentino

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