Brief aus London, Baltimore, Virginia und Washington, DC | 1

22. April 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

belmonte

Am Sonntag treffen wir uns mit * bei der Pulse-of-Europe-Demonstration auf dem Universitätsplatz in Heidelberg.

Ich finde die Initiative immer noch gut, lese aber in der Woche drauf, dass sich deutsche und polnische Nazis vereinen.

Wenn die europäischen Nazis erst Europa zu ihrem vereinten Ziel erheben, ist es mit der Europaidee vorbei.

Am nächsten Morgen fliege ich früh nach London, diskutiere drei Tage mit Bibliothekaren aus aller Welt. Es ist sehr anregend. Ich spreche ohne viel Gehampel und Verhaspeln.

Am Mittwoch nehme ich kurz vor dem Anschlag auf der Westminster-Brücke die Tube nach Heathrow und fliege nach Baltimore zur ACRL.

New York City aus der Luft

New York City aus der Luft / Foto: belmonte

Während des Fluges sehe ich den Film Arrival, der mich an einigen Stellen sehr bewegt. Es ist eine brillante Vorstellung kompletter Andersartigkeit von Sprache und Zeit. Max Richters Musik ist überwältigend.

Ich fliege über den Hudson River, sehe Manhattan und alle Brücken bei strahlend blauem Himmel. Fünf Minuten später taucht Philadelphia ganz klein unter mir auf.

Oriole Park at Camden Yards, Baltimore, MD

Oriole Park at Camden Yards, Baltimore, MD / Foto: belmonte

In Baltimore fahre ich zum Hotel. Vom Zimmer aus sehe ich auf das Baseballstadion Oriole Park at Camden Yards. Es wird dunkel.

Am Morgen stehe ich früh auf, frühstücke, bereite meinen Vortrag vor und gehe zum Convention Center hinüber, einem riesigen Zweckbau, und treffe * bei einer Round Table Discussion.

Inner Harbor, Baltimore, MD

Inner Harbor, Baltimore, MD / Foto: belmonte

Um wenigstens etwas von Baltimore gesehen zu haben, vertrete ich mir zu Mittag die Beine am Inner Harbor.

Der Panel Talk am frühen Nachmittag ist sehr gut besucht, Leute von * und * und weiteren klingenden Namen. Ich spreche dreißig Minuten über * und fühle mich sehr sicher, kann alle Fragen beantworten und hinlänglich argumentieren. Da und dort gehen Daumen nach oben. Ich spüre, dass ich Begeisterung in der Stimme habe. Häufig dehne ich das Wort v e r y sehr lang. Die Veranstaltung schließt mit Diskussion und Smalltalk.

Am späten Nachmittag begegne ich * an der Hotelbar. Wir finden heraus, dass wir beide vor vielen Jahren nach Paris getrampt sind.

Abends nimmt mich * mit ein paar Leuten ins Hafenrestaurant Oyster House mit. Es riecht nach Fisch, die Kellnerin ist redselig und die Austern schmecken vorzüglich.

Die Nacht ist schlimm. Mir ist eiskalt. Im Halbschlaf brüllt mich jemand von der Seite an, ich habe Angst, aber da ist niemand.

Monticello, Charlottesville, VA

Monticello, Charlottesville, VA / Foto: belmonte

Am Morgen leihe ich ein Auto und fahre über die Interstate 70 nach Mt. Airy, frühstücke dort, fahre weiter über Frederick nach Hagerstown, von dort nach Süden auf die 81, überquere den Potomac, vorbei an Winchester, Strasburg, Harrisonburg und Staunton. Bürgerkriegsstätten. Überall hängen noch Trump-Pence-Wahlplakate.

Thomas Jeffersons Grab auf Monticello, Charlottesville, VA

Thomas Jeffersons Grab auf Monticello, Charlottesville, VA / Foto: belmonte

Ich fahre weiter auf der 64 nach Charlottesville, durchquere die Stadt mit ihrer Universität und verbringe drei Stunden etwas außerhalb auf Jeffersons Monticello-Anlage mit Führung, Rundgang durch die Gärten und Mittagessen.

Die Atmosphäre ist mediterran, das Gebäude beeindruckend. Thomas Jefferson erinnert mich an Fürst Bolkonski, Andréjs Vater aus Tolstois Krieg und Frieden. Jeffersons Erklärung, dass alle Menschen gleich geschaffen seien, steht in harschem Widerspruch zu den zahlreichen versklavten Arbeitern auf seiner Plantage. Für mich wird es dennoch – ich weiß es jetzt schon – ein wichtiger Erinnerungsort bleiben.

(Fortsetzung folgt.)

(c) belmonte 2017

United We Stand (Lyrics)

15. April 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

(c) belmonte 2017

Ein Schatz, den man gerne mit sich trägt – Freddy Mork: Verlorene Märchen (Buchrezension)

1. April 2017 § 3 Kommentare

Wir freuen uns über eine Rezension unserer Gastautorin Katharina Dück, Mitbegründerin des Heidelberger Dichterkreises KAMINA.

Freddy Mork: Verlorene Märchen

Freddy Mork: Verlorene Märchen

Die zauberhaften Welten der Märchen unserer Kindheit tragen wir alle in uns. Wir erinnern uns an sie in Zeiten von Freundschaft und Liebe, von Betrug und Übervorteilung und vielleicht auch in Zeiten von Unerklärlichem; orientieren uns bisweilen sogar am Verhalten unserer Märchenfiguren oder träumen von Prinzen auf weißen Pferden, von ungeheurem Reichtum oder davon, unverhofft zu Glück zu kommen, oder als einfache Person die Welt zu retten und die schöne Prinzessin zu heiraten. Dass wir uns diese Märchen überhaupt zu eigen machen können, liegt schlichtweg zunächst daran, dass es einmal jemanden gab, der es für wichtig hielt, „diese Märchen festzuhalten, da diejenigen, die sie bewahren sollen, immer seltener werden […]“, so die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm in der Vorrede zu ihrer Märchensammlung von 1812. Der Mythos, „den man für verloren gehalten“ (1815, Vorrede zum 2. Band) hatte, sollte erhalten und falls verloren, so gesucht werden.

Von einem solchen wild entschlossenen wie unermüdlichen Sucher namens Julius, der in der Manier von Carrolls Alice im Wunderland durch eine Bodenöffnung hinein ins „Reich der Märchen“ fällt und die verschollenen Märchen finden will, handelt Freddy Morks Verlorene Märchen. Auf seiner Abenteuerreise gesellen sich dem mutigen Julius nach und nach recht ungewöhnliche Gefährten: der schlaue Haule Jiwig, der verunsicherte Wolf Wisp, der sensible Stein Oskar und die aufgeweckte namenlose Fee. Sie unterstützen den Menschenjungen bei seinem nicht ganz ungefährlichen Unternehmen durch die fantastische Welt der Märchen, werden geschrumpft, mit blauer Tinte übergossen, wandeln auf Regenbögen, sie kämpfen gegen Wolkenpiraten und bewähren sich schließlich – dem Geheimnis um die verlorenen Märchen immer näher kommend – als Freunde.

Freddy Mork: Verlorene Märchen (Leseprobe)

Freddy Mork: Verlorene Märchen (Leseprobe)

Als Leser begleitet man dieses Abenteuer, bei dem ein Höhepunkt den anderen jagt, mit nahezu atemlosen Vergnügen. Mit viel fantasiereicher Liebe zum Detail entwirft Mork eine magische Märchenwelt, welche die eigene Vorstellungskraft immer wieder anregt, ja herausfordert wie beispielsweise im Kapitel Ein schüchternes Gespräch – eine der schönsten Passagen im Buch: Die fünf Gefährten überwinden ihre dunkelste Stunde, indem sie sich zum dunkelsten Ort begeben, um mit der Sonne zu sprechen, und passieren die Landschaft der Tausende Seen. Es soll die Dunkelheit durch Dunkelheit überwunden werden, während tausende glitzernde Seen als Indikator der Bewältigung und Vorboten der Sonne vorausgeschickt werden, die schließlich Licht ins Dunkel eines wohl gehüteten Geheimnisses bringt.

Freddy Mork / Foto: Freddy Mork

Freddy Mork / Foto: Freddy Mork

Sehr einfallsreich und höchst geschickt kleidet Freddy Mork sein Buch über die verlorenen Märchen selbst in das Gewand eines Märchens und komponiert dadurch ein eigenes Kunstmärchen, in dem man durchaus auch bekannten Märchen bzw. Märchenfiguren begegnet. Seine Sprache ist dabei wunderbar klar, zugleich sehr lautmalerisch und dadurch lebendig: Man findet hierin noch Wörter wie „knirschen“, „gezetert“, „knarzen“ und „Gemurmel“. So passt Mork auch die Sprache seiner übernatürlichen und wunderbaren Märchenwelt an und bereitet auch auf dieser Ebene unglaubliches Lesevergnügen. Erst nach und nach werden Geheimnisse um die Märchenwelt und ihre Figuren enthüllt, während die Spurensuche nicht selten durch die ebenso eindrucksvolle wie ungewöhnliche Illustration von Dominik Schmitt unterstützt wird. Schmitt versteht es, Morks geheimnisvolle Welt der Verlorenen Märchen abzubilden oder vielmehr so anzudeuten, dass genug Raum für die eigene Vorstellungskraft bleibt, oder auch schon mal übertrifft wie in der grandiosen Zeichnung des Wolkenpiratenschiffs.

In seinen Bann zieht Freddy Morks zauberhaftes Märchen von der ersten Seite an bis hin zur letzten; es bewegt und überrascht, erschrickt und empört, und regt zum Nachdenken an über Themen wie Freundschaft und Mut, Überwindung seiner Schwächen und auch darüber, was eigentlich ein Schatz sei. Schließlich wird das Buch selbst zum Schatz, den man von nun an gerne mit sich trägt. Wenn das mal kein gelungener Fund für die Brüder Grimm gewesen wäre …

(c) Katharina Dück 2017

Freddy Mork: Verlorene Märchen. Illustrationen von Dominik Schmitt. Brot & Kunst Verlag, Neustadt an der Weinstraße 2016. 248 Seiten. 14,95 EUR.

Seiten aus dem Skizzenbuch | 5

28. März 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

(c) valentino 2017

United We Stand

18. März 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

(c) belmonte 2017

„Pakal“ ab sofort als eBook erhältlich

14. März 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

valentino pakal auf den spuren eines blutherrschers

Pakal – Auf den Spuren eines Blutherrschers ist jetzt als PDF verfügbar. Das Buch befindet sich in der ersten Auflage in Vervollständigung. Wann immer eine Fortsetzung von Pakal in unserem Blog publiziert wird, wird das eBook parallel ergänzt und bietet daher jederzeit den aktuellen Volltext. Dieser kann hier (siehe Rubrik Unsere eBooks) kostenlos heruntergeladen werden.

Viel Lesevergnügen wünschen Euch,
Valentino und Belmonte

Griechische Götter

7. März 2017 § Hinterlasse einen Kommentar

Holzschnitt-Serie von Valentino

(c) valentino 2017