Slavoj Žižek, Europa, Gulag und Fake News

15. Dezember 2018 § Ein Kommentar

belmonte

Slavoj Žižek auf der Leipziger Buchmesse

Slavoj Žižek auf der Leipziger Buchmesse / Foto: belmonte

Ich höre mir auf der Leipziger Buchmesse das Gespräch auf dem Blauen Sofa mit Slavoj Žižek an. Žižek glaubt, dass nur eine neue Linke Europa retten könne. Ich bin links. Aber Europa kann nur auf der Basis breiter Zustimmung gebaut werden, und die kann nicht nur von links kommen.

Ein paar Wochen später höre ich ein Podcast-Interview mit Žižek, in dem er erklärt, Marc Zuckerberg als ersten in den Gulag zu schicken, wenn er die Macht dazu hätte. Philosophie als Vulgärtransgression. Was soll das?

Ich lese sein bereits etwas älteres Buch Auf verlorenem Posten (Edition Suhrkamp) durch. Bei aller sinnvollen Augenöffnerei fehlt doch viel Konsequenz, immer wieder macht Žižek kurz vor der Ziellinie halt. Das Ende des Bandes ist schrecklich und schwach zugleich.

Slavoj Žižek: Auf verlorenem Posten

Slavoj Žižek: Auf verlorenem Posten

Am 7. August 2018 schreibt Žižek in einem Artikel über Fake News in der NZZ viel Richtiges, aber nichts Neues. Die Unterscheidung zwischen Nachrichten- und Meinungsjournalismus sei strenggenommen nicht aufrechtzuerhalten. „Dabei gibt es keine Möglichkeit, die eigene Position zu transzendieren und objektiv auf die Welt zu blicken – unser Blick bleibt stets historisch bestimmt.“ Historisch? Das ist philosophisch viel zu kurz gegriffen und gesellschaftspolitisch eine Untergrabung.

(c) belmonte 2018

Slavoj Žižek: Auf verlorenem Posten. Aus dem Englischen von Frank Born. Suhrkamp, Frankfurt/M. 2009, 319 S.

Link zum Datensatz im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek

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Mumford and Sons: Sigh No More (Song der Woche) … and recited by Emma Thompson

14. Dezember 2018 § Hinterlasse einen Kommentar

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Auf dem Rückflug

8. Dezember 2018 § 2 Kommentare

belmonte

Auf dem Rückflug von London steigt über dem Ärmelkanal ein Toter ein und setzt sich auf den Sitz hinter mir, im Gesicht bereits verwest. Irgendwie finden das alle normal. Er fässt dann immer von hinten nach meiner rechten Schulter. Ich spüre es irgendwie immer noch. Ich glaube, die anderen haben das gar nicht so mitbekommen. Er wurde sogar bedient, hat aber alles verschüttet. Ich bin dann in Frankfurt ausgestiegen und habe ihn nicht mehr gesehen.

(c) belmonte 2018

Jazzanova: Rain Makes The River feat. Rachel Sermanni (Song der Woche)

7. Dezember 2018 § Hinterlasse einen Kommentar

Ausgewählt von belmonte.

Antony and the Johnsons: Crazy in Love (Song der Woche)

30. November 2018 § Hinterlasse einen Kommentar

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Moby: Sleep Alone (Song der Woche)

23. November 2018 § 2 Kommentare

Ausgewählt von belmonte.

Ich werde Jack Kerouacs Unterwegs bestimmt nicht abtippen – Kenneth Goldsmith: Uncreative Writing – Sprachmanagement im digitalen Zeitalter (Buchrezension)

17. November 2018 § Hinterlasse einen Kommentar

belmonte

Kenneth Goldsmith: Uncreative Writing - Sprachmanagement im digitalen Zeitalter

Kenneth Goldsmith:Uncreative Writing – Sprachmanagement im digitalen Zeitalter

Ich hole aus Kenneth Goldsmiths Buch Uncreative Writing – Sprachmanagement im digitalen Zeitalter einige Anregungen heraus, aber insgesamt überzeugt mich das Buch wenig und begeistert mich noch weniger.

Mir ist dieses ganze Parsen, Kopieren und Verwalten und die Appropriation von Texten klar, und mit der Digitalisierung nehmen diese Prozesse massiv zu, haben ihren eigenen Charme und werfen ganz neue Werke mit ganz eigenen Gesetzmäßigkeiten in die Welt.

Warum sollte ich aber deshalb den originären, schöpferischen, in welcher Tiefe auch immer kreativen Prozess des Dichtens verwerfen, den Goldsmith gar nicht wirklich berührt? Texte im Fluss (52), ständige Wörtermassenspiele, Hypertext-Code, „postidentitäre Literatur“ (115), Maschinenlesen (237), soziale Medien als Droge, ich mache all diese Trends begeistert mit, aber es wird noch keine Poetologie daraus. Womöglich übernehmen das in Zukunft die Maschinen.

Sehr aufschlussreich fand ich die Referenzen an moderne Kunst, vor allem LeWitt und Warhol. Jack Kerouacs Unterwegs werde ich aber bestimmt nicht abtippen.

(c) belmonte 2018

Kenneth Goldsmith: Uncreative Writing – Sprachmanagement im digitalen Zeitalter. Erweiterte deutsche Ausgabe. Aus dem Amerikanischen übersetzt von Swantje Lichtenstein und Hannes Bajohr. Matthes & Seitz Berlin, Berlin 2017, 352 S.

Link zum Datensatz im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek